Social Banking

Bank 2.0 – die Bank-Communities formieren sich

Wie könnte Banking in 20 Jahren ablaufen? Sicher weitaus mehr als heute im Internet und unter aktiver Beteiligung der Kunden. „Social Banking“ heißt das Stichwort, wie Banken die nachwachsende Kundengeneration an sich binden. Hier erfahren Sie, wie Sie Banking am Puls der Zeit betreiben und Ihrer Konkurrenz zuvorkommen.

Wie könnte ein Bankwesen für die Generation der Zukunft aussehen? Wie sprechen Banken „Digital Natives“ an, die jeden Tag viele Stunden online verbringen, aber noch keine Bankfiliale von innen gesehen haben? Von diesen Kunden gibt es jetzt schon viele, und es werden immer mehr. „Social Banking“ lautet das Motto, unter dem Finanzinstitute sie in Zukunft erreichen könnten. 

Banken nutzen beim „Social Banking“ bekannte Social-Media-Kanäle wie Facebook oder Twitter oder gründen im Rahmen ihres Onlinebankings eigene Communities. Dort können Nutzer sich untereinander oder mit der Bank zu verschiedensten Themen austauschen und sich miteinander vernetzen. 

Startschwierigkeiten

Bisher wendet die Bankenbranche das Modell „Social Banking“ jedoch noch sehr zögerlich an. Die Grundprinzipien von Social Media, nämlich Dialogbereitschaft, Transparenz und Authentizität, lebt sie wenig, weil sie allzu oft mit geschäftlichen Interessen kollidieren. So entstehen zum Beispiel Facebook-Präsenzen, die keine Kommunikationsschnittstelle zum Kunden sind, sondern eher eine Marketing-Einbahnstraße. Die geposteten Inhalte sind für Kunden oft nicht relevant, und wegen technischer Beschränkungen können sie in vielen Fällen nicht einmal reagieren.

Es gibt jedoch auch positive Beispiele aus der Branche: Vorreiter in Sachen Social Banking ist die Fidor Bank AG, die 2009 ihre Geschäftsaktivität aufnahm. Ihr Geschäftsmodell setzt ganz auf das Web 2.0: Kunden können sich innerhalb der „Community“ zu bestimmten Finanzthemen austauschen, Finanzprodukte bewerten und sogar mitentwickeln. Unter dem Motto „Banking mit Freunden“ hat die Fidor Bank innovative Produkte entwickelt, zum Beispiel Peer2Peer-Kredite (bei denen Kunden als Kreditgeber fungieren), den Like-Zins (je mehr Facebook-„Likes“, desto höher der Zins) oder die Überweisung per Twitter. 

Erste Schritte in Richtung Social

Für etablierte Häuser zählen im Hinblick auf Social Banking zunächst vor allem Authentizität und Offenheit in der Kommunikation, damit sie bei ihren webaffinen Kunden punkten können. Schalten Sie zum Beispiel die Kommentarfunktion auf Facebook frei und diskutieren Sie dort öffentlich über relevante (Finanz-)Themen und Produkte. Oder erweitern Sie Ihren Internetauftritt um eine Community und eröffnen Sie Bewertungsmöglichkeiten. Wichtig ist dabei vor allem ein ehrlicher Dialog mit den Kunden auf Augenhöhe. Transparenz und Dialogbereitschaft beweisen die Glaubwürdigkeit einer Bank und ihrer Leistung am wirksamsten, da ihre Kunden sich ernst genommen fühlen.

Wichtiger Grundsatz dabei: Keine Angst vor Kritik! Viele Beispiele haben gezeigt: Wer Kritik im Web 2.0 zu behindern versucht, fällt ihr an anderer Stelle erst recht zum Opfer. Dann ist es schwer, möglichen Vorwürfen angemessen, zeitnah und konstruktiv zu begegnen. Zeigen Sie sich im Umgang mit Kritik stattdessen offen und ehrlich. Fördern Sie freie Meinungsäußerungen und reagieren Sie darauf. 

Zukunftschancen dank Social Banking

Mit Social Banking gehen Banken auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten der nachwachsenden Kundengeneration ein. Durch offenen Dialog verbessern sie ihren Ruf und bauen Vertrauen auf. Gleichzeitig erhalten sie Einblick in die Wünsche und Anforderungen ihrer Kunden und können gezielt darauf abgestimmte Produkte anbieten. So senken sie sogar ihre Kosten für Beratung und Produktentwicklung. 

Schließlich verschaffen Banken sich dank Social Banking Vorteile im wachsenden Wettbewerb mit anderen Unternehmen. Längst bemühen sich nicht mehr nur Kreditinstitute um die Bankkunden von morgen, sondern zum Beispiel auch Automobilkonzerne haben eigene Banken ins Leben gerufen.

Auch soziale Netzwerke stehen ihren Mitgliedern dank innovativer eWallet-Lösungen immer mehr für das Banking zur Verfügung. Der Vorteil für die User liegt auf der Hand: kein lästiges Merken und Eintippen mehrstelliger Konto- oder gar SEPA–Nummern mehr. Meistens genügt der User Name eines Mitglieds, um eine Überweisung korrekt auszuführen.

Was würde für die Betreiber sozialer Netzwerke also näher liegen als der Gedanke, ihre Millionen von Usern auch durch das Angebot eigener Finanzdienstleistungen an sich zu binden? Google besitzt sogar bereits eine Bankenlizenz und zielt möglicherweise darauf ab, sein Google+-Netzwerk für Social Banking zu nutzen. – Banken sollten also rechtzeitig auf den Social-Zug aufspringen, um im Interesse ihrer Kunden von morgen am Puls der Zeit zu bleiben.


Artikel empfehlen:

01.10.2012
Kategorien:
Ausgabe 2 - 2012
Specials
Core & Transactional Banking

Schlüsselwörter
Social Banking

Aktuelles von Experten für Experten