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CRR II: Das Paket ist unterwegs

Enorme Änderungen sollen ab 2019 im Bankaufsichtsrecht in Kraft treten. Die EU-Kommission hat jüngst Entwürfe dazu lanciert. Das ist noch lange hin? Wir meinen: Bereits jetzt sollten Sie sich intensiv mit den geplanten Änderungen auseinandersetzen. Denn die hausinterne Umsetzung des CRR II-Pakets wird erhebliche Ressourcen beanspruchen. Wir stehen Ihnen zur Seite.

Bankaufsichtsrecht: Das CRR II-Paket ist unterwegs

Über 500 Seiten stark sind die Entwürfe zum CRR II-Paket, das die EU-Kommission im November 2016 veröffentlicht hat. Wesentliche aufsichtsrechtliche EU-Vorgaben sollen geändert werden: die Kapitaladäquanz-Richtlinie (dann CRD V), die Kapitaladäquanz-Verordnung (dann CRR II) sowie die Banken-Sanierungs- und Abwicklungs-Richtlinie (BRRD).

Die Neuregelungen sollen ab dem 1. Januar 2019 gelten. Allerdings sind auch Übergangsregelungen in Teilbereichen geplant. Im Übrigen wurden mehrere Baseler Timelines bereits überschritten.

Was sind die wesentlichen Änderungen?

1. Basel III wird komplettiert

Um die Umsetzung des Basel III-Rahmenwerks (2011) zu komplettieren, werden ab 2019 – und damit in der EU ein Jahr verspätet - weitere Mindestquoten als verbindliche Säule-I-Kennziffern nebst finalen Detaillierungen definiert:

  • für die Liquiditätskennziffer NSFR (Stabile Refinanzierung), die bisher lediglich meldepflichtig ist, in der erwarteten Höhe von 100 Prozent und
  • für die nicht risikogewichtete Verschuldungsquote (Leverage Ratio), bisher sowohl melde- als auch offenlegungspflichtig, in der ebenfalls erwarteten Höhe von drei Prozent. Allerdings sollen für die global systemrelevanten Banken (G-SIBs) höhere Quoten gelten.
2. Einstiegspakete von Basel IV

Das CRR II-Paket setzt dabei auch zwei große Blöcke des sog. Basel IV–Paketes um (s. dazu auch Artikel in unserem Newsletter 4/15): in der Säule I für die risikogewichtete Kapitalanforderung die neuen Modelle für Marktrisiken (FRTB) als auch das neue Standardverfahren für Kontrahentenausfallrisiken (SA-CCR).
Nach massiver Kritik aus der EU-Finanzindustrie an der Komplexität der Baseler Vorgaben hat die EU-Kommission zu beiden Regulierungsbereichen nennenswerte Erleichterungen zu den BCBS-Standards vorgeschlagen: u.a. bei Melde- und Offenlegungspflichten (zu FINREP s. auch Newsletter 10/15) - unter Verweis auf angemessenere Proportionalität zwischen Risikogehalt und Komplexität/Aufwand in den Instituten.

Allerdings: Die Branche hat mit weitergehenden Erleichterungen und nicht so niedrigen Schwellenwerten gerechnet, insbesondere bei den Exposure-Staffeln bzw. der Bilanzsummengrenze von unter 1,5 Mrd. EUR.

3. Too big to fail: Mission accomplished?!

Die seit der Finanzkrise 2008/2009 intensiv diskutierte Too-big-to-fail-Thematik, bekannt unter dem Stichwort Verlustabsorptionsfähigkeit (Total Loss Absorbing Capacity, TLAC) für G-SIBs, wird ebenfalls in geltendes EU-Recht überführt werden. Die Umsetzung soll dabei weitgehend analog zu den Baseler Vorgaben erfolgen: Sie findet Niederschlag in der CRR II sowie in den Änderungen zur BRRD. Im Bereich der CRR-Säule-I sind für G-SIBs zusätzliche Puffer sowohl bei der risikogewichteten Kapitalanforderung als auch bei der Verschuldungskennziffer vorgesehen, die in einer Übergangsfrist ab 2019 bis 2021 aufgebaut werden können.

Nach der Einführung von strengen qualitativen und prozessualen Mindestanforderungen im Bereich der Restrukturierung und Abwicklung von Banken durch die BRRD in 2014, geht die EU jetzt aber einen deutlichen Schritt weiter als von Basel gefordert. Denn für alle Banken sind quantitative Mindestkennziffern (MREL - minimum requirement for own funds and eligible liabilities) auf institutsindividueller Basis vorgesehen. Mit der MREL-Quote ist der Bereich „Abwicklung und Sanierung“ somit künftig fester Bestandteil der Säule-I-Mindestkennziffern und als eigenständiger Controlling-Steuerungskreis etabliert.

4. Was noch im CRR II-Paket fehlt

Sehr bedeutende „Basel IV“-Komponenten sind in dem „CRR II-Paket“ noch nicht enthalten:

  • die Änderungen zur RWA-Ermittlung für Kreditrisiken (KSA, IRBA, s. dazu auch Newsletter 9/16 und Newsletter 7/15) sowie
  • die Festlegung von Floor-Leveln (mit Referenz auf die parallel zu berechnenden neuen Standardansätze) für Anwender von genehmigten „Internen Modellen“.

Der Grund: Die obersten Aufsichtsvertreter im BCBS konnten sich immer noch nicht einigen. Die avisierte Finalisierung der neuen Standards in Basel bis Jahresende 2016 ist damit gescheitert.

Hinzu kommt das Regulierungsrisiko Trump-Administration - deutliche Deregulierungsabsichten für die Finanzindustrie waren im Wahlkampf ja mehrfach bekundet worden. Und der Bereich risikosensitivere Kapitalanforderungen bei Staatsforderungen (sog. Sovereign-Exposures) wurde von Basel bisher noch nicht einmal spruchreif vorgelegt.
Diese Gemengelage könnte daher noch zu überraschenden Wendungen führen.

Die lang ersehnte Planungssicherheit für die Banken kommt daher nur schleppend voran.

5. Was ändert sich in den einzelnen Regulierungsbereichen?

Die beigefügte Übersicht gibt genauere Auskunft, in welchen Regulierungsbereichen welche wesentlichen Änderungen und auch ggf. EU-Abweichungen zu den Basel-Standards von der EU-Kommission vorgeschlagen wurden. (Grafik/Übersicht)

Wie geht es weiter?

Bis die neuen Bestimmungen festgezurrt sind, wird es noch eine Reihe von Konsultationen im Rahmen des Trilog-Verfahrens und der EBA-Ausarbeitungen geben. Auf dieser Strecke erfolgen dabei sicherlich noch Anpassungen zu den aktuellen Kommissionsvorschlägen. Die Hoffnung auf weitere Erleichterungen bleibt bestehen.

Bezogen auf die zur Änderung anstehenden EU-Richtlinien (CRD, BRRD), bedarf es ja darüber hinaus noch nationaler Umsetzungsrechtsakte. Im Bereich der CRR werden allerdings nationale Wahlrechte und Auslegungsbedarfe auf ein absolutes Minimum begrenzt - somit entsteht hier kein besonderes Terminrisiko.

Analyse statt Abwarten

Auch wenn 2019 noch in recht weiter Ferne zu liegen scheint, empfehlen wir kein weiteres Abwarten! Selbst wenn möglicherweise später noch in Details nachjustiert werden müsste, sollten jetzt bereits die Impacts systematisch analysiert werden: Welche Veränderungen ergeben sich im Kapitalbedarf? Mit welchen Auswirkungen auf die Geschäftsplanungen, Risikostrategien, Preiskalkulationen und IT-Strategien ist zu rechnen?

Und eins ist jedenfalls jetzt schon klar: Die hausinterne Umsetzung des CRR II-Pakets wird ganz erhebliche Ressourcen binden - finanziell, technisch wie terminlich. Eine vorausschauende, mehrjährige Bedarfsplanung ist somit dringend geboten.

Aufgrund der weiter zunehmenden Vernetzungen/Abhängigkeiten zwischen den Aufsichtsbereichen, den neuen Steuerungskreisen (u.a. NSFR, LR, MREL) und den Koordinationserfordernissen mit der IRFS 9-Umsetzung empfehlen wir eine frühzeitige, umfassende Stakeholder-Identifikation und -einbindung quer über die Funktionsbereiche.

Die besten Voraussetzungen, um einen betriebswirtschaftlichen Benefit aus den Regulierungsänderungen zu generieren, sind die zügige Etablierung integrierter und normierter Datenhaushalte, gepaart mit hohen Datenqualitätsstandards. Standardisierung, Automatisierung und Prozesseffizienz werden sicher die kritischen Erfolgsfaktoren für die Umsetzung und die Kostenbegrenzung „im laufenden Betrieb“ sein.

Unsere Experten, mit ihrer langjähriger Erfahrung in komplexen aufsichtsrechtlichen Projekten, stehen Ihnen dabei gerne zur Seite im gesamten Projektzyklus: bei der Vorbereitung, Planung und Durchführung, bis zum Testing und Go live.

Versprochen: Wir halten Sie auch in Zukunft auf dem Laufenden!


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02.01.2017
Kategorien:
Ausgabe 17 - 2017
Regulatory Reporting

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