Liquidität

Den Risiken auf der Spur: umfangreiche Regulierung der untertägigen Liquidität

Der Baseler Bankenausschuss befasste sich mit der untertägigen Liquidität – dabei kamen acht neue Kennzahlen und weitere Pflichten für Banken heraus. Wir stellen Ihnen den aktuellen Stand der Planungen vor, damit Sie wissen, was Sie erwartet.

Ein weiterer Bereich rückt in den Blick der Aufsichtsbehörden: Künftig wollen sie anhand neu definierter Kennzahlen auch die untertägige Liquidität überwachen. Das bisherige aufsichtsrechtliche Sicherheitssystem erfasst die hier verdeckten Risiken nicht.

Gleich acht neue Kennzahlen in Vorbereitung

Schon 2008 verlangte der Baseler Bankenausschuss, dass die Finanzbranche sich um ihre untertägige Liquidität kümmert. Dieser weich und rein qualitativ formulierten Anforderung folgte im Juli 2012 ein Konsultationspapier zum Management der untertägigen Liquidität, das acht neue Überwachungskennzahlen definiert:

  • Maximaler täglicher Liquiditätsbedarf
  • Verfügbare untertägige Liquidität
  • Summe der täglichen Zahlungen
  • Volumen der zeitkritischen Zahlungsverpflichtung
  • Volumen der im Namen anderer Banken getätigten Zahlungen
  • Volumen der untertägigen Kreditlinien, die anderen Banken zugesagt wurden
  • Durchschnittlicher Zeitpunkt untertägiger Auszahlungen
  • Verteilung kumulierter Auszahlungen über den Geschäftstag

Inzwischen ist die Konsultationsphase, in der Banken und andere Beteiligte sich zu diesem Papier äußern konnten, abgeschlossen. Es ist damit zu rechnen, dass es in absehbarer Zeit ohne fundamentale Änderungen in eine verbindliche Richtlinie münden wird.

Genaue Definitionen noch unklar

Leider gibt es einige Unbekannte: Wann und in welcher Form die Richtlinie zur untertägigen Liquidität in Kraft tritt, steht noch nicht fest. Auch Grenzwerte und mögliche Sanktionsmaßnahmen sind unklar.

Zusätzliche Meldepflichten sollen für „Korrespondenzbanken“ gelten – aber was genau ist eine „Korrespondenzbank“? Finanzinstitute müssen sich damit auseinandersetzen, ob sie selbst als Korrespondenzbank agieren und was das für sie bedeutet.

Banken stehen also vor der Herausforderung, sich auf etwas vorzubereiten, das sie gar nicht kennen. Trotzdem können sie anhand ihrer Erfahrung und Einschätzung schon jetzt wichtige Vorkehrungen treffen, die hinterher den Zeitdruck erheblich mildern, wenn die Richtlinie erst einmal in Kraft ist.

Größte Herausforderung: stündliche Berechnung und Datenbasis

Fest steht: Die Kennzahlen zur untertägigen Liquidität werden monatlich in Form von Maxima, Minima und Durchschnitten für den Normalfall sowie für vier gesetzlich definierte Stressszenarien zu melden sein. Berechnen müssen Banken die Kennzahlen allerdings stündlich (!), um „Ausreißer“ so schnell wie möglich zu erkennen.

Das geht mit bisherigen Mitteln meist nicht: Finanzinstitute betreiben zwar bereits eine sehr granulare interne Steuerung. Aber die Datenbasis, die sie für diese Meldung benötigen, steht noch nicht im erforderlichen Umfang bereit.

Zusätzlich sind Banken in der Pflicht, ihre gesamte untertägige Liquidität zuverlässig und permanent abzuschätzen sowie die zu erwartenden täglichen Bruttoliquiditätszu- und abflüsse zu messen und möglichst vorauszuplanen.

Dadurch fällt ein immenses Datenvolumen an, das Banken mit ihren jetzigen IT-Systemen kaum bewältigen können – vor allem wenn sie mit mehreren getrennten (Zahlungsverkehrs-)Systemen arbeiten und die Daten noch zusammenzuführen sind. Sie müssen also erheblich in zusätzliche IT-Infrastruktur wie Prozessorleistung und Speicherplatz investieren.

Gute Gelegenheit, um IT-Systeme aufzurüsten und zusammenzuführen

Momentan ist damit die Gelegenheit günstig, um vieles auf einmal zu erledigen: Ohnehin setzen Banken gerade die Kennzahlen LCR und NSFR um. Je weiter sie die untertägige Liquidität gleich mit berücksichtigen (soweit heute schon möglich), desto mehr sinkt ihr Gesamtaufwand.

Dabei sollten sie bisher getrennte Systeme zu einem einheitlichen Datenpool zusammenzuführen und damit wirtschaftlicher machen. So erreichen sie auch die notwendige Verzahnung zwischen den verantwortlichen Bereichen, zum Beispiel Risikomanagement, Risikocontrolling und Meldewesen.

Besonders effizient gelingen diese Implementierung und fachliche Umsetzung mit externer Unterstützung. Denn intern stehen Kapazitäten dafür neben dem Tagesgeschäft meistens nur eingeschränkt zur Verfügung.

Ende in Sicht?

Die neuen Kennzahlen zur untertägigen Liquidität sollen eine gefährliche Lücke schließen. Dort sammeln sich Risiken, die bisher zu spät oder gar nicht erkannt wurden. Die anstehende Regelung verleiht also auch den Banken zusätzliche Sicherheit.

Über die untertägige Liquidität hinaus ist in den Baseler Liquiditätsanforderungen jedoch zurzeit kein weiteres großes Thema „offen“, bei dem gesetzliche Regelungen erkennbar ausstehen. Nach der Einführung dieser Kennzahlen könnte also endlich Zeit sein, die neuen Sicherungsmechanismen im Alltag zu erproben und von der gewonnenen Sicherheit zu profitieren.


Artikel empfehlen:

01.12.2012
Kategorien:
Ausgabe 3 - 2012
Regulatory Reporting

Schlüsselwörter
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