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Echtzeitzahlung: In Europa auf dem Vormarsch

In der Kommunikation ist es selbstverständlich: keine Zeitverzögerung. Auch Bankkunden wollen zunehmend auf dieses „Hier und Jetzt“ nicht mehr verzichten. Finanztransaktionen sollen möglichst im Handumdrehen erfolgen, wann und wo auch immer. Während es in Europa bereits vielversprechende Systeme gibt, die sich in der Praxis bewähren, hinken die USA hinterher. Wir werfen einen Blick über den großen Teich.

Revolution bei Echtzeitzahlungen

E-Mail, Twitter, Textnachrichten und App-Alerts – Kommunikation in Echtzeit ist längst nicht mehr spektakulär, sondern selbstverständlich. Der nahezu unmittelbare Zugang zu Informationen wird in unserem digitalen Zeitalter durch die zunehmende Nutzung von mobilen Geräten möglich. Die wachsende Nachfrage nach schnellen Transaktionen setzt sich nun auch bei den Bankdienstleistungen durch. Kunden wünschen sich, Zahlungen schnell, von jedem Ort und zu jeder Zeit tätigen zu können. Um diese steigende Nachfrage des Marktes zu decken, entstehen überall auf der Welt revolutionäre Ansätze zu Echtzeitzahlungen.

Viele Länder setzen bereits auf schnellere Zahlungen

Alternative Bezeichnungen für Echtzeitzahlungen sind: Real Time Payments oder taggleiche Zahlungen. Mitunter können darunter auch Eilzahlungen verstanden werden. Diese Zahlungen werden typischerweise in Form einer Überweisung vom Bankkonto des Kunden zu einer anderen Bank abgewickelt. Nachdem die Zahlungsanweisungen des Auftraggebers geprüft wurden, wird der Betrag innerhalb von Sekunden überwiesen. Die ausführende Bank erhält eine Bestätigung.

„Faster Payments Service“ (FPS) ist das erfolgreichste System zur Beschleunigung des Zahlungsverkehrs und wurde im Jahr 2008 in Großbritannien eingeführt. Heute wird es nahezu im gesamten Land genutzt. Mittlerweile führen auch andere Länder dieses Modell ein, darunter Polen im Jahr 2012 und Schweden 2013. Singapur entwickelt derzeit noch das G3-Modell. Auch Indien und Hongkong folgen diesem Beispiel. Australien hat es sich zum Ziel gemacht, ein ähnliches System bis 2016 einzuführen.

Die USA hinken hinterher

Während unterschiedliche Varianten der Echtzeit-Modelle auf der ganzen Welt an Fahrt gewinnen, gehen die Bemühungen in den USA eher schleppend voran. Die US-amerikanischen Zentralbanken haben 2010 den taggleichen Groß- und Kleinbetragszahlungsservice (ACH) eingeführt - mit mäßigem Erfolg. Sein freiwilliger Charakter und die Beschränkung auf sechs ACH-Kategorien erwiesen sich als Hindernisse. Zudem fiel die Begeisterung unter kleinen und mittelständischen Banken eher mäßig aus, und nur wenige haben sich für den Service entschieden.

Gleichzeitig haben die größten US-Banken (Bank of America, Wells Fargo und JP Morgan Chase), die eine beträchtliche Menge an ACH-Transaktionen miteinander tätigen, untereinander einen privaten Austausch vereinbart. Ähnliche alternative Initiativen, die das Debit-Netzwerk zur Beschleunigung von Transaktionen nutzen, wurden von Finanzdienstleistern wie FIS, Fiserv, PayPal und Square ins Leben gerufen. Da sich nicht alle Empfänger daran beteiligten, haben solche Initiativen jedoch keine Netzwerkeffekte erzielt.

In den USA besteht ohne Zweifel ein Bedürfnis nach einem allumfassenden und schnelleren Zahlungssystem. Dennoch scheiterte die NACHA (ehemals National Automated Clearing House Association) im August 2012 daran, ihr Programm „Expedited Processing and Settlement“ (EPS) zur Änderung der Netzwerkregeln durchzusetzen. Die Umsetzung des Programms hätte zu einer Ausweitung der taggleichen ACH-Transaktionen auf den privaten Netzwerkbetreiber „The Clearing House“ und somit auch zu einer Erweiterung der von der Zentralbank angebotenen ACH-Kategorien geführt.

An Echtzeitzahlungen kommt keiner mehr vorbei

Im September 2013 haben die Zentralbanken einen Beratungsvorschlag herausgegeben, der eine Verbesserung des Zahlungssystems vorsieht und sich auf Echtzeitzahlungen konzentriert. Im Anschluss wurde eine Studie erstellt, um Alternativen für ein schnelleres Zahlungssystem in den USA zu entwickeln und zu bewerten. Auch bei der NACHA gibt es positive Entwicklungen: Kürzlich hat sie eine Erneuerung ihrer Pläne für ein schnelleres Zahlungssystem auf Grundlage des Feedbacks von Banken, Genossenschaftsbanken und Nutzern des Zahlungssystems angekündigt. Dabei ist eines klar – die Einführung von Echtzeitzahlungen in den USA ist unbedingt notwendig.

Echtzeitzahlungen werden vieles verändern. Mit schnelleren Zahlungen haben Banken die Möglichkeit, ein großes Spektrum an Zahlungsoptionen anzubieten. Damit können sie ihren Absatz und Umsatz steigern sowie ihren Kundenstamm erweitern. Dank der höheren Zahlungsgeschwindigkeiten können die Banken neue Dienstleistungen für Mobile Payments und P2P-Payments einführen. Vorteile ergeben sich auch für Personen, die keinen oder einen eingeschränktem Zugang zu Finanzinstituten haben. Die meisten besitzen zwar kein Bankkonto, aber ein Mobiltelefon – dank schnellerer Zahlungen können sie durch mobile Transaktionen Zugang zu Finanzdienstleistungen erhalten.

Echte Mehrwerte auch für Banken

Schnelle Zahlungen bieten auch Banken erstklassige Möglichkeiten, echte Mehrwerte zu bieten wie etwa kurzfristige Lohn- und Gehaltszahlungen oder „cash-pooling“. Durch das Zusammenspiel der Initiativen für schnellere Zahlungen ist es möglich, den Umsatz zu erhöhen und gleichzeitig Kosten zu senken. Dies gelingt durch Reduzierung von Betrugs- und Inkassofällen, weniger Abschreibungen und Verbesserung des Profits.

In diesem wechselnden, teils auch globalen Umfeld müssen amerikanische Finanzinstitutionen in der Lage sein, auf den bereits rollenden Zug aufzuspringen. Wenn sie es versäumen, schnellere Zahlungssysteme in den USA einzuführen, hat das Folgen: Bessere und effizientere Zahlungsdienstleitungen gehen verloren, Kunden und Unternehmen verfügen über geringere Möglichkeiten. Zudem sind die Finanzinstitutionen von der Beteiligung an einem aufstrebenden Sektor im Finanzbereich ausgeschlossen, solange sie auf der Suche nach alternativen Wegen sind, um die Nachfrage zu bedienen. Aufgrund eines fehlenden, allumfassenden Echtzeitzahlungssystems riskieren die amerikanischen Märkte, hinter dem Rest der Welt zurückzubleiben.


Artikel empfehlen:

01.06.2014
Kategorien:
Ausgabe 8 - 2014
Core & Transactional Banking

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