Eigenkapital

Eigenkapital wird dynamisch - Überwachung umso wichtiger

Kapitalpuffer aufbauen – das ist bald eine Pflichtaufgabe für Banken. Da gilt es frühzeitig zu überlegen, wie diese neuen dynamischen Komponenten in die bereits bestehende Überwachung der Eigenkapitalquote einzubinden sind. Wir haben da ein paar Ideen.

Kreditinstitute müssen weiterhin ihre Risikoaktiva mit acht Prozent Eigenkapital unterfüttern. Daran ändert sich auch im Rahmen von CRD IV nichts. Aber es ändert sich die Zusammensetzung des Kapitals, das für die Unterlegung notwendig ist. Und es kommen neue, dynamische Komponenten hinzu. Damit muss nicht nur die Berechnung der eigenen Mittel abgeändert werden. Es gilt ebenso, die vorhandenen Prozesse zur Überwachung und auch Steuerung der Risikoaktiva und Eigenmittel zu überdenken bzw. neu zu gestalten.

Zusätzliche Kapitalpuffer sind nötig

Kapitalerhaltungspuffer (Capital Conservation Buffer): Ab dem Jahr 2016 sind Banken verpflichtet, einen Kapitalerhaltungspuffer zusätzlich zu den bereits vorhandenen acht Prozent Eigenkapital aufzubauen. Dieser Puffer, ausschließlich aus hartem Kernkapital, beträgt standardmäßig 2,5 Prozent und soll bis spätestens 2019 stehen. Mit dem zusätzlichen Kapital sollen die Banken eine Reserve vorhalten können, die während Stressphasen im Wirtschafts- und Finanzsektor für einen Verlustausgleich zur Verfügung steht. Während dieser Stressphasen ist es den Instituten erlaubt, den Kapitalerhaltungspuffer abzubauen. Wird der Puffer angetastet, können die Aufsichtsbehörden den Instituten aber die Ausschüttung von Dividenden und Bonuszahlungen untersagen.

Die Institute müssen in einem solchen Fall innerhalb von zehn Tagen in einem Kapitalerhaltungsplan darlegen, wie sie innerhalb kürzestmöglicher Zeit die Vorgaben wieder zu erfüllen gedenken. Der Plan muss u.a. eine Ein- und Ausgabenschätzung sowie eine Bilanzprognose enthalten: Außerdem sind konkrete Maßnahmen zur Erhöhung der Kapitalquoten einschließlich eines Zeitplans gefragt. Wird der Kapitalerhaltungsplan von der Aufsichtsbehörde nicht anerkannt, können dem Institut umfangreiche Beschränkungen auferlegt werden. Unter anderem wird die Ausschüttung von Gewinnen unterbunden, ebenso die Zahlung variabler Vergütungen. Die Definition, wie schnell ein abgebautes Kapitalpolster wieder aufgebaut sein muss, steht freilich noch aus. Gegenwärtig ist nur von einem „kurzfristigen“ Zeitrahmen die Rede.

Antizyklischer Kapitalpuffer (Countercyclical Buffer): Der antizyklische Kapitalpuffer stellt ein Steuerungsinstrument dar, mit dem die Regulierungsbehörden zum Beispiel einem übermäßigen Kreditwachstum entgegenwirken können. Eine übertriebene Kreditvergabe in einzelnen Sektoren kann Krisen auslösen oder verschärfen. Das hat in jüngerer Zeit etwa die Immobilienkrise in den USA bewiesen: Eine übermäßige Kreditvergabe im Bereich der Wohnimmobilien hat eine gewaltige Blase erzeugt, deren Platzen sich noch heute auf dem Finanzmarkt auswirkt. Der Kapitalpuffer, der ebenfalls ausschließlich aus hartem Kernkapital bestehen muss, soll zwischen null und 2,5 Prozent variieren und kann pro Land unterschiedlich hoch sein. Die Aufsichtsbehörden können sich bei der Festlegung der Höhe an diversen Indikatoren wie etwa dem Bruttoinlandsprodukt orientieren, sind aber nicht an feste Vorgaben gebunden. Ebenso ist vorgesehen, dass in besonderen Fällen auch mehr als 2,5 Prozent festgelegt werden können - entweder landesweit oder in Sonderfällen auch institutsspezifisch. Die genaue Höhe des Kapitalpuffers wird mit einer „Vorwarnzeit“ von 12 Monaten bekannt gegeben. Nach aktuellem Stand kann der Kapitalpuffer in Schritten von maximal 0,25 Prozent angepasst werden.

Kapitalpuffer zur Abwehr systemischer Risiken: Neben den beiden für alle Institute relevanten Kapitalpuffern können von den Aufsichtsbehörden weitere Puffer festgelegt werden, die ebenfalls aus hartem Kernkapital bestehen müssen. Mit den Kapitalpuffern zur Abwehr systemischer Risiken (bis zu drei Prozent) sollen Risiken abgefangen werden, welche die gesamte Wirtschaft beeinträchtigen können. Hierbei kann es sich zum Beispiel um Risikoaktiva handeln, die in einem bestimmten Land oder Wirtschaftszweig wurzeln. Zusätzlich sind die so genannten systemrelevanten Banken angehalten, weitere Kapitalpuffer aufzubauen.

Kreditinstitute müssen deutlich mehr leisten

Neben der primären Frage, wie die Kreditinstitute ihren zukünftigen Mehrbedarf an Eigenkapital decken können (Prognosen sprechen von einem Mehrbedarf an hartem Kernkapital von bis zu 42 Milliarden Euro bis 2019), stellt sich außerdem die Herausforderung, diese neuen dynamischen Komponenten in die bestehende Überwachung der Eigenkapitalquote einzubinden, sowohl prozess- als auch IT-technisch. Es geht nicht mehr nur darum, sicherzustellen, dass die statischen acht Prozent nicht unterschritten werden. Zukünftig müssen die Kreditinstitute hier deutlich mehr leisten.

Wir können unsere Kunden vor allem bei der Etablierung und IT-technischen Abbildung der notwendigen Prozesse unterstützen. Wir können auch in den Analysephasen mitwirken und prüfen, welche der neuen Vorschriften für das Institut überhaupt relevant sind. Im Einzelnen:

  • Kreditinstitute müssen laufend prüfen, ob die aktuelle Geschäftsentwicklung dazu führen könnte, dass ein Angreifen des Kapitalerhaltungspuffers notwendig wird. Dies kann im Rahmen der bestehenden Überwachung der Solvabilitätsquote erfolgen, nur mit entsprechend höheren Zielwerten. Zusätzlich müssen jedoch Steuerungsprozesse etabliert werden, so dass bei einem tatsächlichen Angreifen des Kapitalerhaltungspuffers Dividenden und Boni nicht bzw. nur bis zu den gestatteten Höchstgrenzen ausgezahlt werden. Der Kapitalerhaltungsplan muss bereits vorab als Draft-Version erstellt werden, die formal den (noch genau zu definierenden) Anforderungen der Aufsicht genügt. Dieser Entwurf ist mit aktuellen Zahlen auf dem neuesten Stand zu halten, damit er im Krisenfall kurzfristig zu einem abgabefähigen Kapitalerhaltungsplan konkretisiert werden kann.
  • Kreditinstitute müssen Anpassungen an der Höhe des antizyklischen Kapitalpuffers registrieren und einen ggf. notwendigen Anstieg der Eigenkapitalquote über die nächsten 12 Monate anstoßen und laufend überwachen. Hier müssen Überwachungs- und Kapitalsteuerungsprozesse mit entsprechender IT-Unterstützung etabliert werden, zum Beispiel auf Basis der bereits vorhandenen Daten aus dem Regulatory Reporting. Es steht noch nicht genau fest, in welcher Form die Aufsicht die Kreditinstitute darüber informieren wird, dass eine Erhöhung des Kapitalpuffers in 12 Monaten ansteht. Je nachdem, wie dies ausgestaltet wird, muss auch hier ein Prozess mit entsprechender IT-Unterstützung eingerichtet werden.
  • Bestimmte Teile der Risikoaktiva müssen ggf. mit einem zusätzlichen Kapitalpuffer für systemische Risiken unterlegt werden. Erster Schritt ist hier eine Analyse auf Basis der Vorgaben der Aufsicht, ob die Risikoaktiva des Kreditinstituts hier überhaupt betroffen sind. Parallel zu der Überwachung und Steuerung des Kapitalerhaltungspuffers muss hier ein klarer Prozess etabliert werden, um die von der Aufsicht kommunizierten Vorgaben korrekt zu erfassen und umzusetzen.

Fazit

Die Kapitalpuffer müssen gebildet werden. Daran geht kein Weg vorbei. Um den neuen Anforderungen gewappnet zu sein, sollten frühzeitig die Weichen gestellt werden. Wichtig ist es vor allem zu klären, ob die Anpassungen im System hausintern vorgenommen werden können und sollen. Schneller und kostengünstiger gelingt die Umsetzung möglicherweise mit Know-how von außen.


Artikel empfehlen:

01.06.2013
Kategorien:
Ausgabe 4 - 2013
Regulatory Reporting

Schlüsselwörter
Eigenkapital
Kapitalpuffer

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