Meldewesen

FinRep: Formularfluten auch für HGB-Bilanzierung

Meldepflichtig nach FinRep: Das gilt jetzt auch für HGB-Institute. Unzählige Daten werden abgefragt – wir sagen Ihnen, welche und was das für die Banken bedeutet. Aber keine Angst: Sie müssen sich mit den geforderten Meldebögen und Tabellen nicht alleine herumschlagen. Unsere Experten kennen sich aus.

FinRep-Meldung: Jetzt auch für HGB-Bilanzierer.
„Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare!“ Diese etwas flapsige Redensart geht einem spontan durch den Sinn angesichts der EZB-Verordnung zur Meldung aufsichtsrechtlicher Finanzinformationen (FinRep), die am 1. April 2015 in Kraft getreten ist. Denn bis zu 31 Meldebögen mit über 70 Tabellen können erforderlich sein – und zwar auch für HGB-Institute.
 
Bislang war die Abgabe von bankaufsichtlichen Finrep-Meldungen nur für kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen verpflichtend, die einen IFRS-Konzernabschluss auf konsolidierter Basis erstellen. Nun wurde die Verordnung ausgeweitet - auf sämtliche Institute und die Berichtsebenen Einzelinstitut, Teilkonzern, Niederlassung und Konzern - in jeweils abgestufter Intensität - im EZB-Gebiet. Und zwar zusätzlich zur nationalen Verordnung von Finanz- und Risikotragfähigkeits-Informationen (FinaRisikoV). Somit sind nun auch HGB-Bilanzierer nach FinRep meldepflichtig.

Warum die Ausweitung?
Im Sinne einer stärkeren Harmonisierung des Meldewesens auf europäischer Ebene ermöglicht FinRep einen einheitlichen, einfachen und grenzüberschreitenden Datenaustausch – für IFRS-Bilanzierer. Durch die stufenweise Ausweitung der Verordnung auf sämtliche auch nach nationalen Rechnungslegungsvorschriften (national GAAP) bilanzierende Institute schafft sich die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) eine Plattform für eine effizientere Analyse des komplexen europäischen Finanzmarktes. Und erreicht damit eine größere Transparenz über die Ertrags- und Risikolage der Banken. Eine zwingende Notwendigkeit nach den vorangegangenen Finanz- und Bankenkrisen, sind sich europäische Finanzexperten einig.

Was ist mit FinRep zu melden?
Aufteilung der Meldung in vier zeitliche Bereiche, mit unter anderem

Vierteljährlich

  • Bilanz / GuV / Erfolgsrechnung
  • Darstellung ausgewählter GuV-Positionen
  • Darstellung Finanzaktiva / Finanzpassiva
  • Performing and Non-Performing sowie Foreborne Exposures
  • Überfällige oder wertberichtigte Finanzaktiva
  • Kreditzusagen, Finanzgarantien und andere Zusagen
  • Derivate: Handelsbestand und Hedge Accounting

Vierteljährlich bei Schwellwertüberschreitung

  • Geographische Darstellung der Forderungen und Verbindlichkeiten nach Gegenpartei oder Aktivitätsort
  • Materielle und Immaterielle Aktiva
  • Vermögensverwaltung und andere Service-Leistungen

Halbjährlich

  • Außerbilanzielle Geschäfte: Zinsen aus nicht konsolidierten, strukturierten Gesellschaften
  • Verbundene Unternehmen

Jährlich

  • Konzernstruktur
  • Rückstellungen
  • Pensionsplan und Sozialleistungen
  • Aufstellung der Eigenkapitalveränderungen. 

Es existieren abgestufte Meldeanforderungen und Erstanwendungszeitpunkte entsprechend der Bedeutung der Institute bzw. Institutsgruppen. Zum Teil starten die Forderungen bereits ab dem 31. Dezember dieses Jahres. Die Formularflut gliedert sich wie folgt:

  • Full FinRep: 31 Meldebögen mit 71 Tabellen
  • Simplified FinRep: 18 Meldebögen mit 33 Tabellen
  • Over-simplified FinRep: 12 Meldebögen mit 19 Tabellen
  • FinRep Data Points: 8 Meldebögen mit 11 Tabellen


Die Herausforderungen für die Banken

Die zentralen Herausforderungen für die Banken sind:

Bestimmung der Meldebögen / Meldepositionen
Durch die Bilanzierungsunterschiede zwischen HGB und IAS/IFRS ergeben sich Unklarheiten, welche Positionen wie zu melden sind.

Granularität des Datenbedarfs
Die erweiterten Aufrisse der Daten führen zu detaillierteren Berichtsanforderungen. Sind diese erfüllbar?

Bestimmung des verfügbaren und zu verwendenden Buchwertes
Liegen Buchwerte nach IFRS- oder HGB-bilanziert vor? Welcher Buchwert ist zu melden und soll gemeldet werden?

Erweiterte Abstimmungsprozesse
Durch die detaillierteren Berichtsanforderungen sind neue Abstimmungsprozesse zwischen Risiko-, Bilanz- und Meldewesenbereichen notwendig.

Nochmals gestiegene Datenkonsistenzanforderung
Werden die verwendeten Buchwerte auf allen Ebenen (bankstatistisch, aufsichtsrechtlich, internes Rechnungswesen) konsequent gleich berechnet?


Was kann CGI für Sie tun?

Unsere Experten können

  • Ihre Vorsysteme analysieren und Lücken bestimmen,
  • die notwendigen Schnittstellenanbindungen schaffen oder anpassen,
  • die Datenkonsistenzen analysieren und testen,
  • Sie bei den Abstimmungsprozessen unterstützen und
  • darüber hinaus, z.B. im Rahmen einer Vorstudie, die FinRep-Meldefähigkeit überprüfen.

Mit der Ausweitung der Meldepflicht nach FinRep auf HGB-Bilanzierer entstehen weitere Aufwände, die nach erstem Anschein nur eine zusätzliche Datenbereitstellung beinhalten. Aber es gibt auch Vorteile: Denn durch die strukturierte Aufbereitung der Daten können sich die Banken eine qualitative Datengrundlage für eine höhere Transparenz der Ertrags- und Risikolage schaffen. Dies kann in Zukunft zum einen zu einer höheren Stabilität am Markt führen, zum anderen werden dadurch möglicherweise bestehende bankstatistische Meldungen überflüssig.


Artikel empfehlen:

01.10.2015
Kategorien:
Ausgabe 13 - 2015
Regulatory Reporting

Schlüsselwörter
Meldewesen
EZB

Aktuelles von Experten für Experten