Compliance

Großkredite: Welche Änderungen gibt es durch CRD IV?

Künftig gelten einige neue Regelungen im Großkreditbereich. So wird die Meldepflicht angepasst, es gibt die Position des „Eligible Capital“. Wir haben für Sie schon mal in dem Änderungskatalog geblättert.

Mit den Richtlinien zum Eigenkapital von Finanzinstituten will die EU einen Beitrag zur Stabilität des Finanzmarktes leisten. In den vergangenen Jahren sind immer wieder neue Anordnungen diskutiert und erlassen worden. Zuletzt wurde CRD IV als Umsetzung von Basel III auf den Weg gebracht. CRD IV soll am 1. Januar 2014 in Kraft treten. Sollte sich die Veröffentlichung verzögern, sind die Regelungen erst ab dem 1. Juli 2014 gültig.

CRD IV soll einen Beitrag zur Harmonisierung des Meldewesens in Europa leisten mit dem speziellen Ziel, einheitliche Meldeformate und Meldedaten sowie IT-Lösungen für die europäischen Kreditinstitute und Investmentfirmen zu schaffen. Die neue Richtlinie hat Auswirkungen auf das Meldewesen im Großkreditbereich.

Die wichtigsten Änderungen im Großkreditbereich: Neben der Anpassung der Meldepflicht wird die Position des „Eligible Capital“ eingeführt. Gleichzeitig wird eine Obergrenze für Kredite angewandt. Außerdem wird der Kreditbegriff gemäß Artikel 378 CRR definiert.

Die Auswirkungen im einzelnen:

 

  • Es gilt dann lediglich die Stichtagsmeldung ohne entsprechend vorheriger Zeitraumbetrachtung
  • Meldepflicht für Engagements über 150 Millionen Euro (original exposure), die nicht unter die Großkreditdefinition fallen
  • Meldepflicht nur noch für Großkredite, die am Meldetermin Großkredit sind. Keine Nullmeldungen mehr erforderlich
  • Meldepflicht der zehn größten (meldepflichtigen und nicht meldepflichtigen) Engagements auf konsolidierter Basis an Institute und an nicht beaufsichtigte Finanzunternehmen (Artikel 383 Abs. 1a CRR)
  • Einführung des „Eligible Capital“, wobei die Anrechenbarkeit des Ergänzungskapitals auf 25 Prozent des haftenden Eigenkapitals bzw. auf ein Drittel des Kernkapitals begrenzt ist
  • Die Obergrenze für Kredite gegenüber Instituten ist der höhere Wert aus 25 Prozent des „Eligible Capital“ bzw. 150 Millionen Euro (original exposure)
  • Die Definition des Kreditbegriffs gemäß Artikel 378 CRR umfasst sowohl die direkten Engagements aus Aktiva und allen außerbilanziellen Geschäften als auch die indirekten Engagements (des SG beim Substitutionsansatz)
  • Gemäß ITS werden viele zusätzliche Informationen für die einzelnen Großkreditmeldungen angefordert. Für die Betragsdatenmeldungen heißt das:
LE LimitsPositionen 010-030 (Informationen zu den Obergrenzen)
LE1-MeldungMeldung der Einzelkreditnehmer (ungebundener Kreditnehmer sowie Kreditnehmer, der Teil einer GvK ist)
LE2 MeldungMeldung der Einzelkreditnehmer (gebundener Kreditnehmer sowie Kreditnehmer, der Teil einer GvK ist)
LE1 und LE2 bestehen wiederum aus vier Teilen

1. Stammdateninformationen Positionen 005-060. Der Nace-Code (= Nomenclature statistique des activités économiques dans la Communauté Européenne) ersetzt die BBK-Kusy

2. Sector of counterparty
(= Forderungsklasse), wobei Erläuterungen zu den Eingruppierungskriterien fehlen. Positionen 035-060

3. Beträge vor Kreditrisikominderungstechniken Positionen 150-220

4. Beträge nach Kreditrisikominderungstechniken inkl. Substitution Positionen 230-370

 

 

  • Substitution (Kreditnehmertausch des garantierten oder des besicherten Teils eines Kredits) in der CRD IV (Artikel 392 CRR) ist bei den LE1- und LE2-Meldungen innerhalb der Positionen 260-300 möglich

Wir gehen zum heutigen Zeitpunkt davon aus, dass die Anwendung der Substitution nach CRD IV gemäß der CRD II unverändert bestehen bleibt. Es wurde hierzu zur Bestätigung eine Bundesbankanfrage gestellt.

  • Sicherheiten: In Anlehnung an die Bestimmungen der SolvV wird der Begriff der anrechenbaren Sicherheiten für die Großkredite auf alle Finanzsicherheiten der SolvV ausgedehnt. Dazu zählen etwa Bareinlagen, Grundpfandrecht, Lebensversicherung, Garantie oder Sicherungsabtretung.
  • Sicherheitenansatz: Für die Großkredite findet nur noch der umfassende Sicherheitenansatz Anwendung. Ausnahme: Barsicherheiten, die im Rahmen der Substitution gemäß Artikel 392 CRR angerechnet werden dürfen. Es soll zukünftig ein hybrider Ansatz angewendet werden. Dazu wird der bisherige Haircut-Ansatz aus der umfassenden Methode mit der Substitutionsmethode aus der einfachen Methode für finanzielle Sicherheiten kombiniert. Der hybride Ansatz erfordert die Reduzierung des originalen Forderungsbetrages auf den (inkl. aufsichtlichen Haircuts) angepassten Betrag der finanziellen Sicherheit. Zusätzlich dazu soll der Substitutionsansatz angewendet werden, d.h. die Banken sollen jenen Betrag, der das Exposure aufgrund der finanziellen Sicherheit reduziert hat, beim Gesamtengagement des Sicherheitengebers bzw. des Emittenten der finanziellen Sicherheit berücksichtigen.
  • Sicherheitenanrechnung: Die Sicherheiten mindern generell den anzurechnenden Betrag, der anzuzeigende Betrag bleibt unverändert. Bislang führten bestimmte Sicherheiten in der GroMiKV auch zu einer Nichtanzeige des besicherten Betrages. Dies gilt auch für die Sicherheitenanrechnung im Rahmen der Substitution gem. Artikel 392, das heißt, auch hier wird nur der anzurechnende Betrag gemindert.
  • Gewährleistungen: An Gewährleistungen dürfen in der GroMiKV nur diejenigen von berücksichtigungsfähigen Gewährleistungsgebern gemäß Artikel 392 CRR anrechnungsmindernd herangezogen werden.
  • Gewährleistungsgeber: Im Rahmen der Substitution dürfen für den Großkreditbereich alle in Artikel 197 (1) CRR (Credit Risk) genannten Gewährleistungsgeber berücksichtigt werden. Eine positive Bestätigung seitens der Aufsicht erfolgte dazu.

Kurzer Blick in die nahe Zukunft

Geplante weitere Ausweitungen der COREP-Meldebögen auf die Großkreditmeldungen sind geplant. Es besteht die Forderungen nach entsprechenden Erweiterungen für die EU (Konsultierung EBA). Zugleich werden strengere Großkreditobergrenzen für Kredite an Schattenbanken erwogen (Artikel 384 Abs. 1 a CRR). Die Erarbeitung ist für Ende 2014 geplant.


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01.06.2013
Kategorien:
Ausgabe 4 - 2013
Regulatory Reporting

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