Basel III

Kapitalbasis: Fest gemauert in der Erden

Solide gezimmert soll es sein, das Fundament, damit ein Haus auch Stürmen standhalten kann. Das Gleiche gilt für Banken: Hier verlangt die Bankenaufsicht eine solide Kapitalbasis. Mehr noch: Die Vorschriften werden immer strenger. Wir sagen Ihnen, wie Sie am besten darauf reagieren können.

Kapitalausstattung: Der Übergang auf stabilere Füße bleibt lang und steinig

Keine Chance für tönerne Füße: Banken weltweit müssen über eine solide Kapitalbasis verfügen. Die internationale Bankenaufsicht hat in den vergangenen Jahren die Zügel zunehmend gestrafft, und sie werden bis 2019 weiter angezogen. Übergangsbestimmungen erleichtern den schrittweisen Weg zum Ziel. Für die Banken bedeutet das, umfangreiche Hausaufgaben in Sachen Planung und Organisation zu erledigen.

Neben der internationalen Harmonisierung ist die Herstellung der Transparenz über die Eigenkapitalregeln ein weiteres Kernziel. Das sogenannte internationale „level playing field“ ist allerdings noch in einiger Ferne, denn gegenwärtig bestehen noch zahlreiche Unterschiede in den regionalen Umsetzungen.

Die Leitplanken für die Teilschritte zur Kapitalkonsolidierung bis 2019/2021 (Phase-In-Period) gibt das Basel III Rahmenwerk ebenfalls vor. Die legislative Umsetzung von Basel III in der EU erfolgte 2013 im Wesentlichen mit der CRD IV und der CRR I respektive der CRR-Durchführungsverordnung.

Phase-In: Überblick

Im Bereich der risikogewichteten Mindestkapitalanorderungen (Solvenzkennziffern) sieht das Baseler Rahmenwerk bereits umfangreiche Übergangsregeln vor. Im Fokus der öffentlichen Diskussion der letzten Jahre standen dabei vor allem

  • die quantitativen Ausweitungen der Mindestkapitalanforderungen durch zusätzliche Puffer sowie
  • die verstärkten qualitativen Anforderungen (Härtung) durch höherwertige Kapitalkomponenten.

Eine Herausforderung stellen aber auch diejenigen Übergangsregeln dar, die (im Schaubild gelb unterlegt) sich

  • aus der schrittweisen Erhöhung der Abzüge ergeben oder
  • auf die abschmelzende Anerkennung von (minderwertigeren) Kapitalinstrumenten beziehen.

Die daraus resultierenden Belastungseffekte sind in der öffentlichen Diskussion allerdings bisher weniger beachtet worden, stellen gleichwohl aber planungsbedürftige Komponenten dar.

EU-weite Transparenz

Die EU-Umsetzung der Übergangsregeln von Basel III ist bereits in weiten Teilen (auch mit den von Basel III vorgesehenen Spielräumen) zentral und allgemeinverbindlich in der CRR geregelt. In nennenswertem Umfang, sowohl hinsichtlich der zeitlichen als auch quantitativen Staffelung, bestehen jedoch auch Delegationen an die nationalen Regierungen und Aufsichtsbehörden, die NCAs (National Competent Authorities), zur weiteren Festlegung. Auch die NCAs selbst sind gem. CRR von Offenlegungsanforderungen betroffen. Die nationalen Wahlrechtsausübungen müssen sie mindestens jährlich, unter Angabe der nationalen Rechtsgrundlage, veröffentlichen.

Für Deutschland haben BaFin und Bundesbank diese Angaben im Internet veröffentlicht. Hier werden sie auch laufend aktualisiert. Um die EU-weite Vergleichbarkeit und Transparenz zu verbessern, führt die Europäische Bankenaufsichtsbehörte (EBA) die Angaben der NCAs auf ihrer Internetseite tabellarisch zusammen.

Vielfalt der nationalen Wahlrechtsausübungen der NCAs schränkt Vergleichbarkeit ein

Es zeigt sich aber, selbst innerhalb der EU, eine markante Bandbreite der nationalen Festlegungen, wodurch die internationale Vergleichbarkeit der quantitativen Kennziffern deutlich eingeschränkt wird.

Die bestehenden Wahlrechte betreffen folgende Themenbereiche:

  • Abzugsquoten bei Eigenkapitalbestandteilen im Übergangszeitraum
  • Bestandsschutzregeln für Basel-II-Eigenkapitalkomponenten (Grandfathering)
  • Mindest-LGDs bei Kundenkrediten gg. immobile Sicherheiten
  • Risikogewichte und Kriterien bei Hypothekendarlehen
  • Übergangsregeln für unrealisierte GuV aus Marktwertbewertungen
  • Übergangsweise Anerkennung von Minderheitsbeteiligungen
  • Zusätzliche Abzugspositionen.

Im laufenden Meldebetrieb sind die von Übergangsbestimmungen betroffenen Positionen in den beiden Meldetemplates CA5.2 (bestandsgeschützte Instrumente) und CA5.1 (Übergangsbestimmungen) abzubilden. Die Ergebniswerte werden in das Template CA1 (Eigenmittel) übernommen.

Die Herausforderungen für die Banken

Der Planungsaufwand zu den sukzessive abzugspflichtigen bzw. temporär noch anrechnungsfähigen Kapitalkomponenten wird, in Verbindung mit den weiteren Phase-In-Regeln für quantitative Aufstockungs- und Pufferbedarfe, sehr komplex. Ein laufendes Controlling ist daher unabdingbar. Im Rahmen der Geschäfts-, Risiko- und Refinanzierungsstrategien ist zudem eine mehrperiodische Simulation der Auswirkungen auf die Solvenzkennziffern (Kapitalplanungsprozess) erforderlich und bei der Berechnung von Stressszenarien zu berücksichtigen.

Neue Planungsunsicherheiten entstehen durch aktuelle Äußerungen des BCBS (Basel Committee on Banking Supervision). Der Ausschuss überwacht laufend (RCAP - Regulatory Consistency Assessment Programme) weltweit die legislative Umsetzung von Basel III-konform in den Mitgliedsländern. In dem aktuellen, im Dezember 2014 veröffentlichten, Prüfungsbericht zur europäischen Umsetzung iRd. CRD IV/ CRR I sind dabei einzelne Aspekte als „nicht dem Baseler Rahmenwerk entsprechend“ moniert worden. Dies betrifft auch Phase-In-Sachverhalte. Es ist daher zu erwarten, dass es weitere Änderungen der EU-Regeln geben wird, die auch die bereits oder noch laufende Übergangsphase betreffen.

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01.04.2015
Kategorien:
Ausgabe 11 - 2015
Risk & Compliance

Schlüsselwörter
Basel III
Grandfathering

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