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KSA: Alle sind betroffen

Der Kreditrisiko-Standardansatz (KSA) soll nach dem Willen des Basler Ausschusses geändert werden. Zwar nicht von heute auf morgen, aber die Folgen sollten nicht unterschätzt werden. Wie sich die Pläne des BCBS in der Praxis auswirken, erklären wir Ihnen.

Umgestaltung des KSA: Ein Thema, das alle betrifft

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) dreht weiter an den Stellschrauben. In der April-Ausgabe Nr. 11 von „Facts on Finance“ hatten wir bereits skizziert, welche Änderungen „Basel IV“ mit sich bringt (http://www.cgi-factsonfinance.de/newsletter/2015-ausgabe-11/basel-iv-der-nebel-lichtet-sich/). Das betrifft vor allem die Überarbeitungen sämtlicher Standardansätze im Bereich der risikogewichteten Mindestkapitalanforderungen in Säule I. Während dazu im Rahmen von Basel III primär der Zähler (Solv-Kennziffer% = EK/RWA) modifiziert wurde, adressiert Basel IV den Nenner der Formel zur Ermittlung der Solvenzkennziffer, also die RWA-Ermittlung (Risk Weighted Assets).

Eine herausragende Tragweite wird dabei die kürzlich konsultierte Änderung vom 22.12.2014 des Kreditrisiko-Standardansatzes (KSA) (http://www.bis.org/bcbs/publ/d307.pdf) entfalten. Immerhin plant der Basler Ausschuss, neben der sehr weitgehenden Umgestaltung der Risikoindikatoren und/oder Forderungsklassen des KSA diesen auch zur Bestimmung der Untergrenze (Floor-Definition) für Interne Modelle-Anwender (IRB, Internal Rating Based Approach) zu verwenden. Damit betreffen die Überlegungen sämtliche Institute gleichzeitig.

Konsultation und Monitoring

Die Überarbeitung des KSA stellt eine substanzielle Anpassung der RWA-Ermittlung dar und war bereits unmittelbar nach der Finanzmarktkrise 2008/2009 als mittelfristiges Vorhaben definiert. Zeitgleich mit der Veröffentlichung des o.g. Konsultationspapiers zum KSA hatte das BCBS schon angekündigt, diese Neuordnung durch eine Auswirkungsstudie zu testen und ggf. zu verfeinern. Somit wurde die vorgeschlagene neue Methodik in das laufende Basel-III-Monitoring (halbjährlich) – erstmalig bereits für die aktuelle Erhebung per Stichtag am 31.12.2014 - integriert. Erste Ergebnisse zu den quantitativen Effekten auf den Kapitalbedarf dürften daher gegen Ende des dritten Quartals 2015 veröffentlicht werden. Aufgrund der weiteren Kalibrierungs- und Validierungsphase ist unseres Erachtens eine Umsetzung der KSA-Änderungen in europäisches Recht in den nächsten drei Jahren nicht zu erwarten.

Tendenziell erhöhte Kapitalanforderungen

Bereits in den Stellungnahmen der Branchenverbände im Rahmen des Konsultationsprozesses (bis 27.03.2015) – auch aus dem deutschen Kreditgewerbe (siehe Stellungnahme DK) - wurden erhebliche Bedenken an der Adäquanz und antizyklischen Wirkung der geplanten Regeln geäußert. „Die Deutsche Kreditwirtschaft“ (DK) zweifelt dabei insbesondere daran, dass die beiden folgenden Ziele des BCBS realisiert werden (können):

  • Einfachheit der Anwendung/Umsetzung des KSA
  • Aufkommensneutralität, sprich durch Neukalibrierung entsteht keine Anhebung des summierten Kapitalsbedarfs für die Banken.

Im Gegenteil, sehr konkret werden in folgenden Forderungsklassen deutliche Mehrbelastungen – auf Basis der bisher vorgeschlagenen Anpassungen – befürchtet:

  • Banken und Unternehmen:
    • durch die Ersetzung des externen Ratings als primärer Risikoindikator
    • Wegfall der bisherigen Privilegierung (Faktor 0,7619) für Forderungen gegenüber kleinen und mittleren Unternehmen (SMEs)
  • Immobilienbesicherte Forderungen:
    • Durch erhöhte Anforderungen an die Privilegierung
    • Einführung spezieller Kreditrisikofaktoren
  • Kreditzusagen und außerbilanzielle Eventualverbindlichkeiten:
    • durch eine pauschale Anhebung der Kreditkonversionsfaktoren

Die wesentlichen Modelländerungen bestehen in …

  • der Abkehr von externen Ratings als primärer Risiko-Messgröße - stattdessen deutlich feinere Kalibrierung (und damit flexible Steuerungsmöglichkeiten für künftige Parameteranpassungen) durch die Einführung von Risikoindikatoren
  • der Umstellung der Forderungsklassenstruktur, insbesondere durch Neuschaffung der Klasse „Spezialfinanzierungen“ und Aufspreizung der Immobilienfinanzierungen mit Grundpfandrechten an wohnwirtschaftlichen vs. gewerblichen Objekten.

Der Wegfall der Privilegierung bei SME-Exposures wäre sicher eine Belastung für die bislang bestehenden Geschäftsmodelle in der Sparkassenorganisation und dem Genossenschaftssektor und stünde den bisherigen Unterstützungsbemühungen entgegen. Somit dürften die weiteren Entwicklungen hierzu mit Spannung erwartet werden.

Die beigefügte Tabelle im Artikel zeigt die momentan bekannten wesentlichsten Änderungsvorschläge im Vergleich zur aktuellen Regelung.

(Grafik als PDF-Download)

Die Herausforderungen nicht unterschätzen

Fazit: Neben den quantitativen Effekten für den Kapitalbedarf sind unseres Erachtens die prozessualen Herausforderungen sowie der IT-Anpassungsaufwand keinesfalls zu unterschätzen. Die Vielzahl und Vielschichtigkeit der geplanten neuen Risikoindikatoren führen längst nicht nur in den Meldesystemen zu deutlichen Anpassungsbedarfen. Sowohl Erweiterungen der bestandsführenden Systeme hinsichtlich der Neuschaffung von Datenelementen als auch die laufende Aktualisierung der Informationen werden aufwändig. Da der KSA vielfach wohl eine der bedeutendsten Komponenten der aggregierten RWA darstellt, dürfte auch zu erwarten sein, dass die Aufsichten die Anforderungen und Qualitätsstandards für Säule II, namentlich des BCBC 239 (Risikodatenaggregation und –berichterstattung) analog in Säule I anwenden wollen.

Von daher kann allen Instituten nur empfohlen werden, an dem Basel-III-Monitoring (Templates und Erläuterungen s. https://www.bis.org/bcbs/qis), mindestens zu den KSA-spezifischen Erhebungen, teilzunehmen. Dadurch können quantitative Effekte für den hausinternen Kapitalbedarf mit Einfluss auf die mittelfristige Geschäftsstrategie und Kapitalplanung schon frühzeitig erkannt und ggf. berücksichtigt werden. Darüber hinaus kann sozusagen auf der „grünen Wiese“ geprobt und geprüft werden, in welchen Bereichen Anpassungen an den DV-Systemen zu erwarten sind, damit diese in der mehrjährigen IT-Strategie aufgegriffen werden können.

Mit unseren Experten können wir Ihre hausinternen Ressourcen bei der Datenermittlung für die Monitoring-Exercises weitestgehend entlasten und die für Ihr Institut zu erwartenden Aufwände zur Vorbereitung der Umsetzung im Produktionsbetrieb skizzieren. Gerne unterstützen Sie die Experten von CGI mit ihrer langjährigen Fach- und Projekterfahrung bei der Bewältigung der kommenden Aufgaben.


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01.07.2015
Kategorien:
Ausgabe 12 - 2015
Regulatory Reporting

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