MiFID II

MiFID II: weitere Ergänzungen im Dienste des Anlegerschutzes

MiFID II wird noch rigoroser als bisher gedacht: Banken müssen ihre Produkte künftig für kleinste Zielgruppen maßschneidern und ihre Kunden auch nach dem Geschäft genau im Auge behalten. Bei Mängeln droht ein nachträglicher Entzug der Vertriebsgenehmigung. Lesen Sie, wie Sie dieser Rechtsunsicherheit entgehen.

Auch im nicht so heißen Sommer 2012 blieb der Anlegerschutz ein heißes Thema für Banken: Seit der Wirtschaftskrise erlässt die Europäische Union reihenweise neue Vorschriften, um Anleger besser vor nicht erkennbaren Risiken ihrer Finanzgeschäfte zu schützen. In der vorangegangenen Ausgabe unseres Newsletters haben wir Ihnen dazu einen Überblick über alle anstehenden Gesetzgebungsvorhaben präsentiert. Dieses Mal gehen wir näher auf neue Details der Richtlinie MiFID II ein. 

„Berichterstatter“ und damit Schirmherr dieser Richtlinie im Europäischen Parlament ist der Europa-Abgeordnete Markus Ferber (CSU). Er hat im Rahmen dieser Funktion zusätzliche Vorgaben in den Entwurf der MiFID II eingebracht, um diese im Sinne des Anlegerschutzes weiter zu verschärfen. Dass diese Vorschläge bei der kommenden Abstimmung im vierten Quartal 2012 Eingang in die Richtlinie finden werden, ist sehr wahrscheinlich. 

Anlegerschutz beginnt bei der Produktgestaltung

Demnach steht zukünftig schon die Produktgestaltung im Zeichen des Anlegerschutzes: Banken müssen neue Produkte an einen sehr eng definierten Markt richten und genau auf dessen Anforderungen abstimmen. Die bisherige Einteilung von Bankkunden in drei große Gruppen (Privatkunden, Professionelle Kunden und Geeignete Gegenparteien) wird nicht mehr ausreichen. Um die neuen Vorschriften zu erfüllen, müssen Finanzinstitute innerhalb dieser großen Kundengruppen kleinere Untergruppen bilden. Denn es sind zum Beispiel nicht alle als Privatkunden eingruppierten Kunden gleich, sondern sie weisen große Unterschiede auf. Bei der Produktgestaltung müssen nun aber die speziellen Anforderungen einer einheitlichen Kundengruppe berücksichtigt werden.

Doch damit nicht genug: Zusätzlich sind Banken verpflichtet sicherzustellen, dass sie ihre Produkte ausschließlich derjenigen Zielgruppe anbieten, für die sie vorgesehen sind. In einer persönlichen Beratungssituation dürfte das nicht schwer sein. Im Bereich Online-Brokerage dagegen stellt diese Regelung Banken vor neue Schwierigkeiten: Sie erfordert spezielle Schutzmechanismen, die gewährleisten, dass Kunden nur unter bestimmten Produkten wählen können und ihre Entscheidung erst nach ausreichender Beratung treffen. 

Was wird aus dem beratungsfreien Geschäft? 

Wird es unter diesen Umständen noch Raum für beratungsfreies Geschäft geben? Zumindest müssen Banken sich noch erheblich mehr absichern als bisher. Denn es droht im schlimmsten Fall eine Verfügung der BaFin, die der Bank den Vertrieb ihres Produkts untersagt – und zwar sogar nachträglich. Jede Marktveränderung könnte also dazu führen, dass ein bereits verkauftes Produkt nicht mehr zu seiner bisherigen Zielgruppe passt, sodass sein Vertrieb untersagt wird und Schadenersatzforderungen auf die Bank zukommen. 

Um dieser Rechtsunsicherheit zu entgehen, werden Banken sich künftig stärker um die „Nachsorge“, die Beobachtung ihrer Kunden nach einem Wertpapiergeschäft, kümmern müssen. Außerdem müssen sie jeden einzelnen ihrer Kunden wesentlich genauer analysieren als bisher. Dazu benötigen sie leistungsfähige IT-Systeme, die detaillierte EDV-Auswertungen zum Beispiel zum Vermögensstand des Kunden ermöglichen. 

Um bereit zu sein, wenn MiFID II 2015 in Kraft tritt, sollten Banken am besten schon dieses Jahr ein Budget bereitstellen und damit 2013 eine Vorstudie laufen lassen.


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01.10.2012
Kategorien:
Ausgabe 2 - 2012
Risk & Compliance

Schlüsselwörter
MiFID II

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