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Neue Meldegrenze: „Millionenkredit“ tatsächlich ab 1.000.000 Euro

Die Meldegrenze für Millionenkredite fällt – schrittweise auf 1.000.000 Euro. Dadurch wird die Zahl der zu meldenden Stammdaten auf ein Vielfaches steigen. In diesem Artikel informieren wir Sie, worauf Sie sich einstellen müssen.

„Ring frei zur nächsten Runde!“ Mit diesem sportlichen Bild lässt sich das neueste gesetzgeberische Vorhaben umschreiben. Nach einem Regulierungsmarathon auf EU-Ebene ist diesmal die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) federführend. Mit ihrer Konzeption „Modernisierung Meldewesen“ strebt die BaFin an, die Meldegrenze für Millionenkredite im Sinne des §14 KWG ab dem zweiten Quartal 2013 schrittweise von 1,5 auf 1 Million Euro zu senken. Ob es zu einer weiteren Absenkung auf 750 000 Euro kommt, bleibt offen. Immerhin: Die 500 000 Euro, die 2011 im Gespräch waren, sind damit wohl endgültig vom Tisch.

Mit dieser Änderung liegen künftig zahlreiche Kredite an Kleingewerbetreibende innerhalb der Meldegrenzen. Die Zahl der zu meldenden Stammdaten wird sich erheblich vergrößern: Erste Schätzungen der BaFin gehen bei einer Absenkung auf 1 Million Euro vom Vierfachen des bisherigen Volumens aus. Bei einer Meldegrenze von 750 000 Euro soll es sich sogar um das Zwanzigfache handeln. Darüber hinaus behält sich die BaFin vor, die Meldefrequenz ab 2016 von quartalsweise auf monatlich zu erhöhen, um die Aktualität der Millionenkreditdaten zu erhöhen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass Banken die Stammdaten komplett elektronisch einreichen können (Modul B-5 der Konzeption „Modernisierung Meldewesen“).

Und noch eine weitere massive Änderung kommt auf das Millionenkreditmeldewesen zu: § 19 Abs. 2 KWG sieht ab 2013 zur besseren und schnelleren Abwicklung des erhöhten Meldeaufkommens eine eindeutige und eigenständige Definition der Kreditnehmereinheit vor, die ausschließlich auf dokumentierte Kontrollverhältnisse abstellt. Damit unterscheidet sie sich künftig nicht nur von der Definition der Kreditnehmereinheit im Großkreditmeldewesen, sondern auch von weiteren Kreditnehmerbegriffen, die Institute teilweise für interne Zwecke nutzen. 

Vorarbeit empfehlenswert

Vor allem zum ersten Meldetermin 2013 wird die neue Meldegrenze einen erheblichen zusätzlichen Arbeitsaufwand verursachen: Viele Kreditnehmer(-einheiten), die bisher nicht meldepflichtig waren, müssen zum ersten Mal der Bundesbank angezeigt werden. 

Ursprünglich wollte die Bundesbank es Banken ermöglichen, potenzielle neue Kreditnehmer vorab zu melden, um die Belastung zum Stichtag zu mildern. Leider kann sie diesen Vorschlag aber wegen massiver datenschutzrechtlicher Bedenken nicht umsetzen. Die betroffenen Institute sind also gezwungen, sich bereits jetzt auf Arbeitsspitzen zu Beginn des kommenden Jahres vorzubereiten. Damit wird die Stammdatenmeldung bis zur vollständigen elektronischen Stammdatenverarbeitung die Achillesferse des Millionenkreditmeldewesens bleiben.

Mit welchen Auswirkungen müssen Banken rechnen? 

Die abgesenkte Meldegrenze wird zu deutlich umfangreicheren Datenbeständen führen und die bestehende Prozess- und Systemlandschaft in Banken einem Härtetest unterziehen. 

Dabei wird sich zeigen, ob die derzeitigen Meldewesensysteme und
-prozesse den künftigen Herausforderungen gerecht werden. 

Diese Prozesse laufen bisher teilweise noch manuell ab. Vor dem Hintergrund des höheren Meldeaufkommens wird es jedoch erforderlich sein, sie vollständig zu automatisieren. Weitere Änderungen oder sogar neue Prozesse und Systeme sind nötig, um zum Beispiel die neue Definition der Kreditnehmereinheit abzubilden und vom Großkreditmeldewesen abzuheben. Gerade in dieser Übergangsphase erleichtern externe Dienstleister mit ihrem fachlichen und technischen Know-how die Einführung der neuen Regularien. 

Obwohl der Zeitrahmen im Vergleich zum ersten Entwurf der Regelung großzügiger ausfällt, ist der erforderliche Anpassungsbedarf nicht zu unterschätzen, insbesondere vor dem Hintergrund der geplanten EU-Verordnung CRD-IV, die strengere Eigenkapitalanforderungen vorsieht. Zusätzlich sollten Banken sich schon jetzt auf weitere Änderungen einstellen und sie so weit wie möglich in ihren Planungen berücksichtigen.


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02.07.2012
Kategorien:
Ausgabe 1 - 2012
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