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Neuer KSA: Nicht warten - werden Sie jetzt aktiv!

Unvollendet, aber brisant: der neue KSA. Denn eins ist sicher: Die Umsetzung der neuen Vorschriften des BCBS wird sich in jedem Fall zu einer Herkulesaufgabe für die Banken auswachsen. Unser Rat: Entwerfen sie bereits jetzt die passende Strategie. Wir helfen Ihnen gern.

Neuer KSA – Herkulesaufgabe für Banken

Es ist ein zähes Ringen um den neuen Kreditrisiko-Standardansatz (KSA). Denn die Überarbeitung der risikogewichteten Kapitalunterlegung im Rahmen der Säule I ist ein lange bekanntes, aber immer noch unvollendetes Vorhaben des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS). Was aber nicht heißt, dass Banken jetzt die Hände in den Schoß legen können. Im Gegenteil: Sie sollten sich bereits jetzt mit den vorgeschlagenen Änderungen auseinandersetzen.

Die Pläne bleiben ambitioniert

Kurzer Rückblick: Im Dezember 2014 wurde vom BCBS, parallel zu den Vorschlägen zur Einführung von Floors (BCBS 3061) für alle Internen Modelle im Rahmen der Säule I, das erste Konsultationspapier zur Änderung des KSA (BCBS 3072) veröffentlicht. „Basel IV“ war geboren. In unserem Newsletter – Facts on Finance Nr. 12 (07/20153) - hatten wir die wesentlichen Aspekte der Umgestaltung des KSA skizziert. Die Vorschläge des BCBS stießen auf massive Kritik der Bankenbranche sowie von Wirtschaftsverbänden. Daraufhin legte der Ausschuss im Dezember 2015 ein geändertes, zweites Konsultationspapier vor (BCBS 3474). Darin wurden diverse Verschärfungen auch wieder zurückgeschraubt.

Die Vorhaben bleiben aber sehr ambitioniert. So könnte es im Bereich der Kreditrisikounterlegung sehr deutliche Anhebungen der Eigenmittelanforderungen geben: laut Simulationsberechnungen eine Steigerung um bis zu 200 Prozent, vor allem in den Forderungsklassen Spezialfinanzierungen, große Unternehmen und Banken.

Die Spannung steigt

Bei der Betrachtung der neuen KSA-Regeln sind die parallele Einführung von Floors für IRB-Anwender sowie die weiteren Verschärfungen zu den spezifischen IRB-Regeln (s. separate Konsultation aus 03/2016, BCBS 3625) immer als Gesamtvorhaben zu sehen. Die Tragweite von Änderungen bei der Kapitalunterlegung zur bedeutendsten Risikoart im traditionellen Bankgeschäft ist enorm. Deswegen hat Basel angekündigt, eine finale Kalibrierung der Standards erst im zweiten Halbjahr 2016 durchzuführen - nach umfassenden Auswirkungsstudien (QIS). Ob diese Finalisierung bis zum Jahresende 2016 tatsächlich gelingt, bleibt abzuwarten und allemal spannend.

Aber: Unabhängig vom potenziellen Zuwachs im Kapitalbedarf, dürfen die laufenden prozessualen und operativen Zusatzaufwände nicht unterschätzt werden. Selbst wenn externe Ratings (doch wieder weitgehend und zum Teil mit neuen Bedingungen) weiter anerkannt werden, so ist ergänzend immer eine interne Kreditwürdigkeitsprüfung (eigenständiges Ratingverfahren, Due Diligence) systematisch und zyklisch (mindestens jährlich) durchzuführen. Mit der Konsequenz, dass die aus den externen Ratings abzuleitenden Risikogewichte im Bedarfsfall – einseitig! – nach oben angepasst werden müssen.

Insgesamt sind Zweifel angebracht, wie weit das BCBS seine immer wieder betonten Ziele mit den bisherigen Vorschlägen tatsächlich alle realisieren kann:

  • Verbesserung der Risikosensitivität der Standardansätze,
  • Einfachheit und bessere Vergleichbarkeit sowie
  • keine signifikante Anhebung der Kapitalbelastungen.

Denn die Kritik am zweiten KSA-Konsultationspapier der Banken-, Finanzmarkt- und Wirtschaftslobby war vielleicht etwas weniger drastisch, aber die schiere Anzahl von über 120 Stellungnahmen zeigt mehr als deutlich, wie groß die Nervosität und Besorgnis über die Baseler Weichenstellungen sind. Auch auf das IRBA-Konsultationspapier fallen die Reaktionen drastisch und sehr kritisch aus: Es ist sogar von deutlichen konjunkturellen Pressionen die Rede.

Übersicht: Neuer KSA im Vergleich zum Status Quo nach Forderungsklassen

Das beigefügte Schaubild skizziert die Kernelemente der im zweiten Konsultationsentwurf angedachten Änderungen im Vergleich zum Status Quo, bezogen auf die Risikoindikatoren und die geplanten (vorbehaltlich Neukalibrierungen nach der o.g. QIS 2016) Risikogewichte (RW).

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Nur die Spitze des Eisbergs

Ein weiterer wichtiger Aspekt - aufgrund des markanten Anteils am gesamten Kreditvolumen - für die Gesamtbewertung der Änderungen ist aber derzeit noch offen: die Behandlung der sogenannten Sovereign-Exposures (Forderungen an Zentralstaaten, Gebietskörperschaften etc.). Diese Forderungsklassen sind bisher noch gar nicht Gegenstand der Konsultationen. Das heißt: Basel schiebt dieses Thema weiter „vor sich her“. Somit bleibt noch einige Unsicherheit über die Gesamtauswirkungen der Neuregulierungen zur RWA-Ermittlung für das Kreditrisiko.

Und: Die geplanten Floor-Regelungen bedeuten ja, dass sich auch alle IRB-Banken intensiv mit den neuen KSA-Regeln auseinander setzen müssen. Keine Bank bleibt verschont!

Die Umsetzung der Änderungen zum Kreditrisiko in Säule I wird eine Herkulesaufgabe für die Banken: wahrscheinlich in Bezug auf den ansteigenden Kapitalbedarf, sicher aber bei der IT-technischen und operativen Implementierung. Wobei die hier skizzierten – wohl gemerkt: zu erwartenden – Änderungen bei der Kreditrisikounterlegung nur die „Spitze des Eisbergs“ bilden. Denn in allen anderen Risikoarten des Solvabilitätsregimes (Kontrahentenrisiko, Marktrisiko, Operationelle Risiken, CVA etc.) wurden ebenfalls bereits Änderungen der Standardansätze von Basel lanciert.

Unsere Empfehlung: Handeln Sie jetzt!

Auch wenn die Baseler Revisionen des KSA und IRBA noch nicht final sind, allerdings bis zum Jahresende 2016 avisiert, ist das ja allenfalls ein weiterer Zeitpuffer für die Banken. Die tiefgehende Erneuerung der Regeln mit definitiv markantem Anpassungsbedarf in den Softwarelösungen macht es unseres Erachtens erforderlich, sich bereits jetzt auf Basis des aktuell bestehenden Reifegrades der Baseler Papiere strategisch und taktisch auf das Kommende einzustellen.

Deshalb raten wir unseren Kunden eindringlich, an den laufenden bzw. anstehenden QIS-Studien teilzunehmen. Und zwar aus sehr ökonomischen Gründen: Sie gewinnen mehr Handlungs- und Planungssicherheit. Das sind einerseits wichtige Erkenntnisse hinsichtlich der weiteren Business- oder Geschäftsfeldplanung, die durch markante Verschiebungen der Eigenkapitalkosten verursacht werden könnten. Auf der anderen Seite erhalten sie aber auch klare Hinweise auf erkennbare Knackpunkte in der technischen und/oder prozessualen Umsetzung.

Sprechen Sie uns einfach an, wenn wir Sie bei der Analyse und weiteren Projektierung Ihrer Maßnahmen unterstützen können. Unsere Expertise bringen wir gerne in die effiziente Aufarbeitung der Themen ein.

  1. BCBS 306/ 22.12.2014: Capital floors - the design of a framework based on standardised approaches - consultative document
    http://www.bis.org/bcbs/publ/d306.htm
  2. BCBS 307/ 22.12.2014: Revisions to the standardised approach for credit risk - consultative document
    www.bis.org/bcbs/publ/d307.htm
  3. Facts on Finance – Ausgabe 12: Umgestaltung des KSA - Ein Thema, das alle betrifft
    www.cgi-factsonfinance.de/newsletter/2015-ausgabe-12/umgestaltung-des-ksa/
  4. BCBS 347/ 10.12.2015: Revisions to the Standardised Approach for credit risk - second consultative document
    www.bis.org/bcbs/publ/d347.htm
  5. BCBS 362/ 24.03.2016: Reducing variation in credit risk-weighted assets - constraints on the use of internal model approaches - consultative document
    www.bis.org/bcbs/publ/d362.htm

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01.09.2016
Kategorien:
Ausgabe 16 - 2016
Regulatory Reporting

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