Meldewesen

Neuerungen bei Kreditnehmereinheiten

Eine neue Unterscheidung in einen vorhandenen Datenbestand einzuarbeiten, macht erhebliche Mühe. Genau darum aber werden Banken im Meldewesen nicht herumkommen, denn dort unterscheiden sich ab 2013 die Definitionen der Kreditnehmereinheit für Millionen- und Großkredite. Hier erhalten Sie die aktuellsten Informationen.

Neuerungen im Bereich der Kreditnehmereinheiten: Ab 2013 getrennte Definitionen im Groß- und Millionenkreditbereich

Bei der ersten Meldung im Jahr 2013 ist es soweit: Es tritt eine Reihe von Änderungen des bankaufsichtlichen Meldewesens in Kraft. Sie sind unter dem Eindruck der Finanzkrise entstanden und sollen Meldeformate, Meldefrequenzen und Meldedaten modernisieren und europaweit vereinheitlichen. Zum Leidwesen der Banken sind viele Vorgaben mehrdeutig oder noch nicht endgültig – es könnte also zu weiteren Änderungen kommen. 

Ein zentrales Element dieser Modernisierung: Künftig gelten bei Millionen- und Großkrediten getrennte Definitionen der Kreditnehmereinheit – bisher sah das KWG für beide Bereiche eine einheitliche Definition vor. Für Millionenkredite gemäß § 14 KWG ist ab 2013 die Definition nach nationalem Recht in § 19 Abs. 2 KWG ausschlaggebend. Eine Kreditnehmereinheit definiert sich demnach über dokumentierte Kontroll- und Beherrschungsverhältnisse. Die bisherige Möglichkeit, die „Beherrschungsvermutung“ zu widerlegen, falls in Wirklichkeit doch kein solches Kontrollverhältnis besteht, entfällt ab 2013. 

Großkredite (bisher nach § 13 KWG) sind dagegen zukünftig in der europäischen Verordnung CRR (Capital Requirements Regulation) geregelt. Die Kreditnehmereinheit heißt dort „Group of Connected Clients“ (Art. 4 Abs. 46 CRR). Damit so eine „Gruppe verbundener Kunden“ entsteht, muss entweder wie bei der Kreditnehmereinheit des Millionenkreditwesens ein kontrollierender und beherrschender Einfluss einer oder mehrerer Parteien vorliegen. Oder es muss sich um eine Risikoeinheit handeln, in der wechsel- oder einseitige wirtschaftliche Abhängigkeiten herrschen, die in der Regel auf einer gemeinsamen Finanzierungsquelle beruhen. Bei Großkrediten ist es auch ab 2013 noch zulässig, die „Beherrschungsvermutung“ zu widerlegen. 

Änderungen bei COREP-Meldebögen

Wenn Kreditinstitute ihr Meldewesen auf diese neuen Definitionen der Kreditnehmereinheit umstellen, sollten sie berücksichtigen, dass sich gleichzeitig auch die COREP-Meldebögen LE Limits, LE1 und LE2 ändern. Am besten richten sie ihre Schnittstellen und ihre Vorverarbeitungen im selben Zug darauf ein. 

Außerdem fallen bei der Meldung von Großkrediten ab 2013 gemäß CRR verschiedene Kennzeichnungen für Kreditnehmerbeziehungen weg. Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) werden dann zum Beispiel nicht mehr selbst gemeldet. Stattdessen muss sich jeder Gesellschafter die Verschuldung entsprechend seiner Beteiligung zurechnen lassen. Auch die Referenz-Codes (REFCODES), der Referenzschuldner sowie das Kennzeichen REFVORDR entfallen. 

Diese getrennten Definitionen sollen eigentlich die Bearbeitung von Millionen- und Großkrediten erleichtern. Dass sie das auch tatsächlich tun werden, bezweifeln Fachleute allerdings. Denn die Änderungen bedeuten für Banken, dass sie ihren gesamten Datenbestand der Kreditnehmereinheiten neu strukturieren müssen, um zwischen den getrennten Definitionen bei Millionen- und Großkrediten unterscheiden zu können. Auch ihre Prozesse, um Daten für Kreditnehmereinheiten zu erstellen, anzuliefern, zu verarbeiten und zu melden, laufen nun für Groß- und Millionenkredite auseinander. Das bedeutet einen erhöhten Arbeitsaufwand. Banken sollten sich darauf schon jetzt vorbereiten und ihre Prozesse, Systeme und Schnittstellen im Zuge der Anpassung überprüfen und manuelle Vorgänge weitgehend automatisieren.

An dieser Stelle liefert eine externe Sicht häufig wertvolle Erkenntnisse, um die Effizienz zu steigern und künftige regulatorische Herausforderungen frühzeitig zu berücksichtigen. Die Ressourcenplanung im Meldewesen, sowohl technisch als auch personell, erhält damit eine noch größere Bedeutung als bisher.


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01.10.2012
Kategorien:
Ausgabe 2 - 2012
Regulatory Reporting

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