AIFMD

Neues Geschäftsfeld in Sicht: Depotbanken als Verwahrstellen alternativer Investmentfonds

Für Depotbanken tut sich ein neues Geschäftsfeld auf: Ab Juli 2013 sind Verwahrstellen alternativer Investmentfonds weitgehend den Depotbanken klassischer Fonds gleichgestellt. Was ist also naheliegender, als dass erfahrene Depotbanken künftig auch alternative Fonds verwahren? Ein paar Tücken lauern aber im (vertraglichen) Detail – wir verraten Ihnen, was Sie unbedingt regeln sollten.

Am 21. Juli 2013 tritt die EU-Richtlinie zur Regulierung von Verwaltern alternativer Investmentfonds (AIFMD, Alternative Investment Fund Managers Directive) in Kraft. Sie betrifft EU-weit alle alternativen Investmentfonds, zum Beispiel geschlossene Immobilien-, Flugzeug- oder Windenergiefonds.

Für Finanzdienstleister eröffnet sich damit ein neues Geschäftsfeld: Sie können ihre vorhandenen Erfahrungen als Depotbank zur Geltung bringen und künftig auch als Verwahrstelle für alternative Investmentfonds fungieren. Auf die entsprechenden Regulierungen sind ihre Prozesse ja bereits eingestellt.

Selbst verwahren ist künftig verboten

Die Richtlinie sieht vor, dass Fondsgesellschaften ihre alternativen Fonds nicht mehr selbst verwahren dürfen: Sie müssen dafür externe Verwahrstellen beauftragen. Damit werden sich alle Fondsgesellschaften, die bisher noch keine Verwahrstelle für ihre Fonds haben, auf die Suche nach einem Verwahrer machen.

Außerdem überträgt die Richtlinie den Verwahrstellen Kontroll- und Informationspflichten. So erhalten sie möglicherweise auch direkten Kontakt zu den Investoren – ähnlich wie bisher die Depotbanken klassischer Investmentfonds.

Detaillierte Verträge unverzichtbar

Auch wenn Finanzdienstleister schon in der Vergangenheit als Verwahrstelle tätig waren, müssen sie jetzt aktiv werden und ihre Verträge den neuen Gegebenheiten anpassen. Denn häufig gehen die Dokumente bisher kaum über Gebührenvereinbarungen hinaus.

Wichtigster Bestandteil der neuen Verträge sind Haftungsregelungen: Gegenüber den Investoren haften Manager und Verwahrer alternativer Investmentfonds gleichermaßen für den Verlust von Anlageobjekten. Im Innenverhältnis sollten Verwahrstellen aber versuchen, ihre Haftung so weit zu reduzieren, wie die Richtlinie es erlaubt.

Auch die Kontroll- und Verwahrungsaufgaben der Verwahrstelle muss der Vertrag auf jeden Fall regeln. Der Umfang dieser Aufgaben hängt davon ab, in welche Vermögensgegenstände der Fonds investiert und in welchen Ländern oder Gebieten er tätig ist.

Schließlich sollten beide Seiten unbedingt genaue Informationspflichten und -rechte vertraglich festlegen. Umfangreiche Vertragsanpassungen kommen also auf die Beteiligten zu – es wird höchste Zeit, darüber zu verhandeln und sich zu einigen, denn bis zum Inkrafttreten der Richtlinie dauert es nicht mehr lange.

Endkunden haben es leichter

Eindeutig einfacher macht die AIFMD es nur den Endkunden: Sie haben ab Juli 2013 weitere Ansprechpartner, die ihnen gegenüber für den Verlust von Anlageobjekten haften. Nur wenige Ereignisse wie etwa politische Umstürze können diese Haftung ausschließen.

Für Verwahrstellen ergibt sich aus der AIFMD einerseits ein finanzielles Risiko, das zusätzliches Eigenkapital zur Absicherung erfordert. Andererseits steigt ihr Verwaltungsaufwand. Trotzdem ist die Funktion als Verwahrstelle alternativer Investmentfonds für Depotbanken künftig eindeutig ein interessantes Geschäftsfeld.


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01.12.2012
Kategorien:
Ausgabe 3 - 2012
Risk & Compliance

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