Basel III

Ziel: Hausbank werden

Basel III ist ein umfangreiches, ambitioniertes Regelwerk, das unter anderem auch eine neue Liquiditätskennziffer enthält: die „Liquidity Coverage Ratio“ (LCR). Sie wird erhebliche Auswirkungen auf das gesamte Liquiditätsrisikomanagement im Bankwesen haben und die Anlageportfolien vieler Geldinstitute fundamental verändern. Hier erfahren Sie, welche Herausforderungen die LCR mit sich bringt und wie die Bankenbranche darauf reagieren wird.

Mit dem Inkrafttreten von Basel III müssen Banken eine neue Kennzahl ermitteln, die das Liquiditätsrisikomanagement im Bankwesen verändern wird: die LCR (Liquidity Coverage Ratio). Anhand dieser Kennzahl soll sichergestellt werden, dass Banken einen angemessenen Bestand an hochwertigen und hochliquiden Vermögenswerten besitzen. Mit diesem Bestand müssen sie ihren Liquiditätsbedarf in einem von der Bankenaufsicht spezifizierten Stressszenario über einen Zeitraum von 30 Tagen abdecken können.

Die LCR zeigt das Verhältnis zwischen hochliquiden Vermögenswerten und den Netto-Zahlungsabflüssen über eine 30-Tage-Periode. 

Im Moment befindet sich die LCR lediglich in der Beobachtungsphase, aber ab 2015 muss jede Bank die Anforderungen einhalten und ihre Ergebnisse monatlich in einem vorgegebenen Format an die Aufsicht melden. Außerdem müssen die Institute ihren Liquiditätspuffer im Stressfall täglich liquidieren können. Das setzt sie bereits jetzt unter Zugzwang, sich mit der Restrukturierung ihres Portfolios auseinanderzusetzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. 

Wie wirkt sich die LCR auf das Anlageportfolio von Banken aus? 

Um die Anforderungen der LCR zu erfüllen, müssen Banken sich vor allem mit der Struktur ihrer Kundeneinlagen befassen: Am attraktivsten (und für die Bank damit am teuersten) sind künftig diejenigen Kundeneinlagen, die als hochliquide und stabil gelten und sich deshalb günstig auf die LCR auswirken. 

Besicherte Retailfinanzierungen und stabile Kundeneinlagen spielen dann eine wesentlich größere Rolle als bisher, während unbesicherte Geschäfte mit Banken und Unternehmen an Attraktivität verlieren. Die Passiva werden zum wichtigsten Faktor der Liquiditätsrisikosteuerung. Auf der Aktivseite dagegen werden Banken versuchen, Produkte abzubauen, die sie nicht oder nur eingeschränkt für die LCR anrechnen können. 

Auch die in die LCR einfließenden „Run-off-Faktoren“ (Abzugsraten: Wie wahrscheinlich ist es, dass Einlagen abgezogen werden?) spielen eine große Rolle. Üblicherweise zögern Privatkunden länger als Unternehmenskunden, bis sie eine Einlage abziehen, und fordern weniger Geld auf einmal zurück. Deshalb haben stabile und besicherte Retaileinlagen einen geringen Run-off-Faktor und wirken sich günstig auf die LCR aus. Auch für kurzfristige Refinanzierungen sind Passiva mit niedrigen Abzugsraten zu bevorzugen. 

Was bedeutet das für die Zukunft des Bankwesens? 

Für Kreditinstitute ergibt sich daraus die Notwendigkeit, noch mehr als bisher um stabile Privatkundeneinlagen zu werben. Sie schaffen durch niedrige Gebühren oder hohe Zinssätze zusätzliche Anreize, damit Kunden ihr Konto als Erst- und Gehaltskonto führen. Begehrte Kundengruppen mit niedrigem Run-off-Faktor erhalten das attraktivste Preisgefüge. Auf dem Bankenmarkt wird der Wettbewerb um diese Kundengruppen steigen. Auch Institute, deren Kerntätigkeit bisher das Groß- und Firmenkundengeschäft war, müssen ihre Strategie anpassen und werden zur Konkurrenz. Manche Banken können möglicherweise dem Preiskampf nicht standhalten, andere dagegen nutzen die Chance auf neue Märkte. 

Mit Einführung der LCR wird schließlich die Bandbreite an renditestarken Assets in den Portfolien von Banken abnehmen. Damit aus der Konzentration auf andere Produktgruppen keine neuen Klumpenrisiken entstehen, müssen Kreditinstitute frühzeitig über die Restrukturierung ihrer Portfolien nachdenken. Dabei können sie zum Beispiel in Szenarioanalysen frühzeitig erkennen, welcher Portfolio-Mix eine gute Rendite erzielt und Klumpenrisiken vermeidet. Außerdem helfen diese Analysen dabei, extreme Sprünge in der LCR gerade am Ende des Berechnungshorizonts zu vermeiden und eine dauerhafte Erfüllung der LCR zu gewährleisten.


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02.07.2012
Kategorien:
Ausgabe 1 - 2012
Regulatory Reporting

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